Sie hatte alles, was man sich wünschen konnte. Ein schönes Zuhause, Erfolg im Beruf, beliebt unter ihren Freunden, Anerkennung.
Nach außen hin war ihr Leben vollkommen.
Doch tief in ihr blieb dieses leise Ziehen. Das Gefühl, dass etwas fehlte. Eine Sehnsucht nach Ankommen, nach Partnerschaft, nach diesem seltenen Moment, wirklich gesehen und wirklich gefühlt zu werden. Sie wollte wieder Leidenschaft spüren.
Dieses unglaubliche Gefühl, wenn zwei Seelen miteinander verschmelzen um für einen Augenblick alles andere vergessen zu können.
Und dann tauchte er plötzlich in ihrem Leben auf.
Nicht schleichend, sondern mit einer Energie, die sie überrumpelte.
Er war charmant, offen, aufmerksam. Der Typ Mann, der genau weiß, wie man eine Frau zum Lächeln bringt.
Er hörte zu, stellte die richtigen Fragen, lachte an den passenden Stellen.
Er gab ihr das Gefühl, als hätte das Leben gerade einen neuen, aufregenden Ton gefunden.
Anfangs war sie vorsichtig.
Sie wusste, wie schnell man sich täuschen konnte.
In ihrer Vergangenheit war sie schon einmal böse betrogen und benutzt worden. Eine Erfahrung, die sie fast zerbrochen hätte.
Sie hatte sich geschworen, dass ihr das nie wieder passieren würde.
Sie kannte die Red Flags, hatte über toxische Muster gelesen, verstand die Warnzeichen.
Sie glaubte, vorbereitet zu sein.
Und doch… Mit jedem Gespräch, jeder Nachricht, jeder kleinen Geste begann ihr Misstrauen zu bröckeln.
Er war anders. Dachte sie.
Sie begann, ihm zu vertrauen.
Sie hatte so viel zu geben. Wärme, echtes Interesse, Geborgenheit und Sinnlichkeit.
Alles, was sie in sich trug, wollte endlich wieder fließen dürfen.
Er war derjenige, dem sie vertraute, der es wert zu sein schien.
Eines Abends stand sie auf ihrer Terrasse und sah in den klaren Nachthimmel.
Eine Sternschnuppe zog über ihr hinweg. Hell, schnell, zauberhaft schön.
In diesem Moment war sie sicher. Das war ein Zeichen.
Das Universum selbst bestätigte ihr, dass das, was sie fühlte, richtig war.
Sie glaubte, sie hätte das große Los gezogen.
Doch während sie an Schicksal glaubte, verfolgte er einen Plan.
Für ihn war sie keine Offenbarung, sondern ein Werkzeug.
Nur ein Mittel, um seine Frau, von der er offiziell getrennt war, eifersüchtig zu machen, um sie aus der Reserve zu locken, um sich selbst wieder begehrenswert zu fühlen.
Er genoss die Nähe, die Aufmerksamkeit, ihre Zuwendung.
Und als sie sich öffnete, als sie glaubte, er wäre angekommen, ging er.
Einfach so. Ohne ein Wort, ohne eine Erklärung.
Zuerst suchte sie nach Gründen.
Vielleicht hatte sie etwas Falsches gesagt, vielleicht war er überfordert, vielleicht brauchte er nur Zeit.
Doch dann, wenige Tage später, sah sie das Foto auf Facebook.
Er und seine Frau. Lachend, vertraut, die Arme ineinander verschlungen.
Darunter stand: „Manchmal merkt man erst, was man hat, wenn man es fast verliert.“
In diesem Moment verstand sie alles.
Er hatte sie benutzt. Kalt, berechnend, ohne jede Spur von Reue.
Er hatte mit ihren Gefühlen gespielt, wie andere mit Spielkarten.
Und was für ihn nur ein taktischer Zug war, war für sie eine Verletzung, die tief schnitt, wie ein Diebstahl an ihrer Seele.
Denn das, was er nahm, war nicht Geld oder Besitz.
Es war Vertrauen. Würde. Wärme. Und das Gefühl, dass Echtheit noch existiert.
Sie saß lange da, starrte ins Nichts, unfähig zu weinen.
Dann kam die Wut.
Nicht hysterisch, sondern ruhig, klar, kontrolliert. Die Art von Wut, die sich setzt wie kalter Stahl.
Denn sie wusste, was er getan hatte, war kein Ausrutscher, kein Versehen.
Es war ein Betrug, so bewusst und kalt, dass er Strafe verdiente.
Aber sie würde weder Vergeltung, noch Strafe suchen.
Sie würde ihr ganz persönliches Ass ausspielen.
Eins, das er so niemals kommen sehen würde……
Verwendete Karten:
Wheel of the Year Tarot, by Maria Caratti, Illustrationen: Antonella Platano, Verlag: Lo Scarabeo (Italien)
Everyday Witch Tarot, by Deborah Blake, Illustrationen: Elisabeth Alba, Verlag: Llewellyn Publications