Wie man(n) sich an einer Königin die Finger verbrennt
Wie man(n) sich an einer Königin die Finger verbrennt

Wie man(n) sich an einer Königin die Finger verbrennt

23.10.

Er war gut.
Nein, er war richtig gut.
Der Ritter der Stäbe hatte schon so manchen Flirtplatz in Flammen gesetzt im besten Sinne.
Ein charmantes Lächeln hier, ein selbstbewusster Blick dort, dazu ein Kompliment, das so geschmeidig klang, als hätte Amor selbst den Text diktiert.
Er war der Typ Mann, bei dem man unwillkürlich denkt:
Na gut, ein kleines Abenteuer schadet ja nicht …Warum sollte man sich so ein Sahneschnittchen entgehen lassen.

Und genau das war seine Welt: kurz, intensiv, feurig.
Nach dem Motto: Wenn’s brennt, ist es richtig. Wenn’s glimmt, bin ich schon weiter.

Doch dann kam sie.
Die Königin der Schwerter.

Sie stand da, ruhig, elegant, mit dieser „Ich brauch dich nicht, aber danke für dein Interesse“-Ausstrahlung.
Er grinste, setzte seinen besten Spruch an  und sie …
nickte nur, leicht, fast höflich, als hätte jemand gerade einen Wetterbericht vorgelesen.

Kein Lächeln, kein Funkeln, kein „Oh, erzähl mir mehr“.
Nichts.
Nur dieser Blick, der ihn wortlos daran erinnerte, dass Charme zwar nett ist, aber gegen Intelligenz mit Selbstachtung keine Chance hat.

Er probierte es noch einmal. Schließlich gibt ein Ritter so leicht nicht auf.
Sie blinzelte langsam, als überlege sie, ob sie ihm ein Bonbon geben oder den Raum verlassen sollte.
Dann drehte sie sich einfach um und ließ ihn da stehen, mitten in seinem eigenen Feuer, so verblüfft wie ein Magier, dessen Trick plötzlich nicht mehr funktioniert.

Hinter ihr, irgendwo im geistigen Hintergrund,
saß der Hierophant, wahrscheinlich mit verschränkten Armen,
und murmelte so etwas wie: Junge, vielleicht solltest du mal was über Respekt lesen.“

Der Ritter starrte ihr nach, leicht verwirrt, vielleicht auch beeindruckt.
Denn das war neu.
Kein Drama, kein Spiel, kein Sieg.
Nur eine Frau, die sich nicht beeindrucken ließ
und ihm damit auf charmanteste Weise den Spiegel hinhielt.

Am Horizont tauchten die 7 Kelche auf.
So viele Gedanken, Optionen, Versuchungen, dass ihm kurz schwindelig wurde.
Sollte er sich ändern? Nein. Warum? Oder doch?
Was war das eben überhaupt?

Er wusste es nicht.
Aber eines war klar:
Er war zum ersten Mal neugierig, nicht auf das, was er leicht haben konnte,
sondern auf das, was er nicht bekommen hatte.

Und irgendwo lachte der Page der Stäbe leise,
klopfte ihm auf die Schulter und sagte:
„Tja, Bruder. Willkommen in der Fortgeschrittenenklasse.“ 😉



Verwendete Karten:

Tarocchi delle 78 Porte, Alligo, Pietro; Platano, Antonella, Lo Scarabeo Edizioni

The Golden Universal Tarot, Pietro Alligo, Artwork: Roberto De Angelis, Lo Scarabeo, Turin, Italien
– Verlag: Lo Scarabeo, Turin, Italien

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