Der Blumenstrauß
Der Blumenstrauß

Der Blumenstrauß

27.11.

Es war einmal ein wunderschöner Blumenstrauß, der sich in einer Vase zu Hause fühlte. Doch eines Tages hatte er genug davon, immer nur still in der Vase zu stehen und nur anderen mit seiner Anwesenheit eine Freude zu machen.  Er beschloss, das Weite zu suchen. Ohne lange nachzudenken, sprang er aus der Vase und rannte fröhlich davon.

Doch der Blumenstrauß hatte nicht bedacht, dass er keinerlei Orientierung hatte. Bald fand er sich in einem riesigen Labyrinth wieder, aus dem es anscheinend kein Entkommen gab. Die Wege kreuzten sich in alle Richtungen und der Blumenstrauß lief immer weiter, aber er kam nie irgendwo an.

Während seiner Suche nach dem Ausgang traf der Blumenstrauß auf andere Geschöpfe, die genauso verwirrt und verzweifelt wie er waren. Sie alle waren so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass es unmöglich schien, einen Kontakt herzustellen. Jeder rannte in eine andere Richtung, ohne Rücksicht auf die anderen zu nehmen.

Nach vielen vergeblichen Versuchen, den Ausgang aus dem Labyrinth zu finden, wurde der Blumenstrauß schließlich schwach und müde. Er hatte keine Kraft mehr und begann zu welken. Seine Blütenblätter wurden braun und trocken, während er immer durstiger wurde. Er war dem Verfall nahe.

Doch plötzlich kam ein Hund daher. Er bemerkte den verwelkten Blumenstrauß und war freundlich, offen und sehr hilfsbereit. Der Hund erkannte sofort, dass der Blumenstrauß Wasser brauchte und führte ihn behutsam hinunter zum Fluss.

Dort angekommen, trank der Blumenstrauß gierig von dem frischen Wasser und fühlte seine Kraft langsam zurückkehren. Der Hund war dabei, ihn völlig zu revitalisieren. Er streckte seine Blüten wieder aufrecht und erlangte seine volle Schönheit zurück.

Der Blumenstrauß war so dankbar für die Hilfe des Hundes. Er erkannte, dass es oft die freundlichen und aufmerksamen Wesen sind, die uns in schweren Zeiten unterstützen, selbst wenn wir uns im Labyrinth des Lebens verirrt haben.

Nachdem die beiden Freundschaft geschlossen hatten, begleitete der Hund den blühenden Strauß zurück zum Ausgang des Labyrinths und sie verabschiedeten sich herzlich voneinander. Der Blumenstrauß hatte gelernt, dass es im Leben immer jemanden geben wird, der ihm hilft, wenn er sich verloren fühlt. Er erkannte den Wert von Hilfsbereitschaft und wusste, dass er, wenn er kann, auch anderen in Not zur Seite stehen würde.

Noch beseelt von dem Erlebnis mit seinem neuen Freund, fiel sein Blick auf einen majestätischen Turm, der ganz in der Nähe hinter einem Hügel hervorragte. 

Der Turm war alt und von Efeu umrankt. Neugierig beschloss der Blumenstrauß, diesen Turm zu erkunden, da er sich gerne von der Schönheit und der Aussicht des Turms berauschen lassen wollte. Er kletterte die steinernen Stufen des Turms hinauf und gelangte schließlich in das oberste Stockwerk. Von dort aus hatte er einen atemberaubenden Blick über das ganze Labyrinth.

Der Blumenstrauß konnte sogar sehen, wo er sich zuvor verirrt hatte und wie klein und verwirrend das Labyrinth von oben wirkte. Der Turm bot ihm eine neue Perspektive und half ihm, die Verwirrung und Angst, die er im Labyrinth verspürt hatte, zu überwinden.

Der Blumenstrauß verbrachte lange Stunden im Turm und beobachtete die anderen Wesen, die in dem Labyrinth gefangen waren. Von oben konnte er sehen, dass sie nicht allein waren. Es gab andere, die ebenfalls den Weg suchten und Hilfe brauchten. Da fühlte sich der Blumenstrauß berufen, diesen Geschöpfen zu helfen, so wie der Hund ihm geholfen hatte.

Er beschloss, den Turm zu verlassen und sich wieder auf den Weg ins Labyrinth zu machen, um anderen in Not beizustehen. Jedes Mal, wenn er jemanden traf, der verwirrt und verzweifelt war, führte er sie zum Turm. Dort konnten sie die Schönheit und Weisheit des Turms erleben und ihren Blick über das Labyrinth schweifen lassen.

Der Turm wurde zu einem Ort der Hoffnung und des Trostes für all jene, die sich verirrt hatten. Gemeinsam fanden sie Lösungen für die Probleme im Labyrinth und halfen sich gegenseitig, den richtigen Weg zu finden. Der Turm wurde zum Symbol für Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft in schwierigen Zeiten. Er bot den nötigen Raum, um mit Abstand, Zusammenhänge besser zu verstehen und möglicherweise verborgene Muster oder Ursachen zu erkennen, die uns aus einer engeren Perspektive möglicherweise entgehen würden.

Der Blumenstrauß fühlte sich erfüllter denn je. Er hatte nicht nur seine eigene Reise ins Labyrinth gemeistert, einen neuen Freund gefunden, sondern konnte nun auch anderen dabei behilflich sein, ihren Weg zu finden. Und an jedem Tag erinnerte er sich dankbar an den Turm und die Erkenntnis, dass man oft höher steigen muss, um die richtige Perspektive zu erhalten und dass selbst Irrwege, die man Leben geht, zu etwas Wundervollem führen können.

Und immer wenn der Wind über seine Blütenblätter strich, erinnerte er sich an die Begegnung im Labyrinth und war dankbar für den Weg, den er gehen durfte.

Verwendete Karten:

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