Dies ist die Geschichte eines angesehenen Mannes, der in der Öffentlichkeit stand.
Oder zumindest einer, der es sich wünschte. Respekt, Anerkennung, Einfluss. Er war klug, zielstrebig, entschlossen. Jemand, der das Steuer in die Hand nahm. Jemand, der Verantwortung übernahm. Und doch schien ihm das Leben nie den Lohn zu geben, den er sich erhofft hatte. Eines Abends ging er noch eine Runde nach draußen.
Zu einer Stelle im Wald, die er oft aufsuchte, wenn er allein sein wollte. Ein schmaler Pfad führte durch das Gebüsch, leicht bergab, bis zu einer Lichtung mit einem großen, flachen Stein. Dort konnte er sitzen, ohne beobachtet zu werden. Dort konnte er in Ruhe über alles nachdenken. Oder einfach gar nichts fühlen.
An diesem Abend war es anders.
In ihm: Frust. Enttäuschung. Das Gefühl, wieder einmal alles gegeben zu haben für nichts. Er ließ sich schwerfällig auf den Stein sinken, stützte die Ellenbogen auf die Knie und seufzte. „Egal, wie sehr ich mich anstrenge, wie hart ich arbeite, was ich auch mache, am Ende läuft immer alles schief. Es ist, als ob ich einfach kein Glück verdiene.”
Ein Rascheln im Gebüsch ließ ihn aufschrecken.
Ein schlanker, grau-brauner Kojote schaute ihn plötzlich an und unterbrach seine Gedanken. Ganz ruhig, wie aus dem Nichts. Als gehörte er genau hierher. Er setzte sich auf einen benachbarten Stein, nicht weit entfernt. Der Kojote sagte nichts. Er sah ihn nur an. Seine Augen waren wachsamer als die eines gewöhnlichen Tieres. Da war ein Funken Wissen darin. Und ein Grinsen, das nicht wirklich freundlich war, aber auch nicht feindlich. Irgendetwas dazwischen.
„Schon lange unterwegs?“, fragte der Kojote beiläufig. Der Mann sah ihn skeptisch an. „Was geht dich das an?“ Der Kojote zuckte mit den Schultern. „Gar nichts. Aber du klingst, als würdest du etwas loswerden wollen.“ Der Mann fuhr sich durchs Haar. „Ich hab alles versucht. Immer wieder. Ich reiße mir den Arsch auf, gebe mehr als alle anderen, und trotzdem endet’s jedes Mal im Chaos. Die Leute ziehen sich zurück, kein Glück mit den Frauen, Projekte gehen den Bach runter. Ich frag mich langsam, ob ich einfach kein Glück verdiene.“ Der Kojote legte den Kopf leicht schräg. „Glaubst du, es liegt am Glück?“ „Na, woran denn sonst? Ich mach doch alles richtig. Ich plane, ich bin zuverlässig, ich übernehme Verantwortung.“ „Und trotzdem passiert immer wieder dasselbe“, sagte der Kojote leise. „Schon mal gefragt, warum?“ Der Mann zuckte die Schultern. „Weil das Leben beschissen ist?“
Der Kojote grinste. „Oder weil du jedes Mal den gleichen Weg wählst?“ „Ach komm.“ Der Mann schüttelte den Kopf. „Was willst du mir denn erzählen? Ich bin den langen Weg nicht umsonst gegangen. Irgendwann muss sich das doch mal auszahlen. Oder willst du sagen, ich hab alles falsch gemacht?“ Der Kojote schüttelte langsam den Kopf. „Nicht falsch. Nur vielleicht nicht für das, was du dir eigentlich wünschst.“ Der Mann lachte bitter. „Was soll das heißen? Ich hab alles unter Kontrolle. Klar, direkt, konsequent. Wenn das niemand schätzt, deren Problem, oder?“
„Vielleicht“, sagte der Kojote ruhig. „Oder vielleicht hast du dich so sehr auf das konzentriert, was du erreichen wolltest, dass du übersehen hast, wie du unterwegs mit anderen umgegangen bist.“ Der Mann schwieg. Er wollte widersprechen. Alles in ihm wollte es. Aber irgendwas hielt ihn zurück. „Du hast Stärke gezeigt“, fuhr der Kojote fort. „Aber hast du auch Verbindung zugelassen? Hast du mit Herz geführt oder nur dirigiert?“ Eine Weile sagte keiner von beiden etwas. Nur der Wind bewegte das Gras.
„Wenn sich Menschen von dir abwenden“, sagte der Kojote schließlich, „dann vielleicht nicht, weil du zu wenig gegeben hast, sondern weil sie sich nicht gesehen gefühlt haben.“ Der Mann sah ins Leere. Er wollte nicht darüber nachdenken. Noch nicht. Aber irgendetwas in diesen Worten blieb haften. Der Kojote stand auf, streckte sich und sah ihn noch einmal an.
„Vielleicht war der Plan, dass der Plan nicht aufgeht, weil das Schicksal einen anderen Plan mit dir hat. Einen, der viel mehr Freude bringt“, sagte er ruhig.
„Damit du irgendwann aufhörst, immer derselben Gewohnheit zu folgen. Und anfängst, wirklich hinzuschauen, über andere Optionen nachdenkst und dein Schicksal mitgestaltest.“ Dann trottete er davon. Ohne Eile, ohne Abschied. Einfach so, wie er gekommen war.
Der Mann blieb noch lange sitzen. Noch immer mit einer gewissen Wut, einem Rest Trotz. Aber irgendwo, ganz leise, arbeitete etwas in ihm. Nicht laut. Nicht dramatisch.
Nur ein leiser Gedanke:
Was, wenn da doch was dran ist?
Verwendete Karten:
Gilded Tarot, by Ciro Marchetti, Llewellyn Publications
Gilded Reverie Lenormand by Ciro Marchetti, U.S. Games Systems
The Spirit Animal Oracle by Colette Baron-Reid, Hay House
The Gateway Oracle Cards by Denise Linn, Hay House