Heute Nacht ist Vollmond im Zeichen Widder. Ich habe dazu einmal die sabischen Symbole für Sonne und Mond auf ihren Graden herausgesucht, sowie das Symbolon-Bild, das seine ganz eigene Bedeutung hat.
Der Mond steht auf 15° Widder: Ein Indianer webt eine Decke.
Ein Zeichen dafür, etwas Sinnvolles zu gestalten, das über den Moment hinaus Bedeutung trägt und das dein ganz eigenes, individuelles Projekt ist, sowie das Wissen, dass jedes Detail Teil eines größeren Musters ist.
Die Sonne steht auf 15° Waage: Kreisförmig angelegte Wege.
Kreisförmig angelegte Wege symbolisieren Zyklen, Wiederholungen, Balance, und den Wunsch, Harmonie zu bewahren. Es ist die Erkenntnis, dass Wachstum nicht linear, sondern spiralförmig geschieht. Wir kehren in Situationen und Umstände zurück, aber auf einer höheren Ebene des Bewusstseins, obwohl wir denken wir drehen uns im Kreis und verheddern uns in Widersprüchen.
Aus dem Symbolon spricht Mars im Krebs – Der Trotz.
Das Bedürfnis nach Schutz (Krebs) trifft auf den Drang nach Selbstbehauptung (Mars). Man will sich zeigen, etwas Eigenes tun, aber gleichzeitig nicht verletzt werden. Daher entsteht Trotz, als eine Art seelische Rüstung: „Ich mache es auf meine Weise, auch wenn’s weh tut oder niemand versteht.“ Hier können lang unterdrückte Gefühle von Wut, Zorn und Ärger an die Oberfläche geraten.
Und während ich diese Einleitung gerade so verfasse, erinnere ich mich wieder an diese eine ganz besondere Begegnung mit Keoma……
Seit vielen Monden sitzt ein alter Indianer in der Stille der Nacht.
Er ruht auf der Erde, auf Mutter Gaya, und der Vollmond über ihm taucht alles in silbernes Licht.
Mit ruhigen Händen webt er an einer Decke; so, wie es schon die Alten seines Stammes getan haben. Seine Hände bewegen sich ruhig und gleichmäßig.
Seine Finger kennen die Bewegung aus Erinnerung, nicht aus Anstrengung.
Jeder Faden, den er zieht, fließt wie ein Atemzug durch ihn hindurch.
Diese Decke ist mehr als nur ein Stück Stoff.
Jeder Faden trägt eine Geschichte von Freude, Schmerz, Verlust und Neubeginn.
Die hellen Fäden erzählen von Liebe, die dunklen von Prüfungen, und alle zusammen ergeben ein Muster, das nur die Zeit versteht.
Der alte Mann weiß, dass sich das Leben wiederholt.
Er hat erlebt, wie die gleichen Themen, Gesichter und Gefühle immer wiederkehren.
Früher dachte er, er laufe im Kreis.
Heute weiß er: es sind Spiralen.
Jede Wiederkehr bringt ihn ein Stück näher zu sich selbst, tiefer in das Verständnis des Ganzen.
Er kennt auch den Zorn, den Trotz, die Wut. Er hat sie gespürt, wenn das Leben ihm zu viel abverlangte.
Doch er hat gelernt, das Feuer nicht zu unterdrücken, sondern zu hüten wie eine Glut, die wärmt, aber nicht verbrennt.
Er hat gelernt, sie nicht zu fürchten.
Wenn der Zorn kommt, legt er ihn in die Erde unter sich,
webt ihn ein als dunklen, starken Faden zwischen den hellen.
So wird auch das Wilde Teil der Schönheit.
Er spricht nicht viel.
Er webt, atmet, lauscht.
Der Wind in den Bäumen ist sein Lehrer, das Licht des Mondes seine Erinnerung.
Er weiß: Frieden entsteht nicht, wenn das Leben leicht wird,
sondern wenn man mit ruhigen Händen weiter webt, egal, was kommt.
Und wenn du in einer Vollmondnacht oder den Tagen danach unruhig bist,
wenn dich Wut oder Zweifel heimsuchen,
dann erinnere dich an ihn,
den alten Mann unter dem Mond, der in der Stille die Fäden seines Lebens ordnet und gelernt hat, den Rhythmus des Lebens zu weben, statt gegen ihn anzukämpfen
Setz dich hin, atme, richte deinen Zorn nicht gegen einen Menschen. Tu etwas mit deinen Händen, mach Sport, hau aufs Kissen oder fahre in den Wald.
Sei der Indianer.
Webe deine Decke mit Ruhe, Hingabe und deiner ganz eigenen Handschrift.
Verwendete Karte, der Trotz
Symbolon, Das Spiel der Erinnerungen, Peter Orban, Ingrid Zinnel, Thea Weller, Kailash