Sommer, Ferien, reisen, endlich Urlaub. Kollektiv liegt eine ganz besondere Schwingung in der Luft. Das Universum schaltet um auf puren Genuss. Wir wollen ausbrechen, den Kopf ausschalten, die Freiheit spüren und den Rausch des Augenblicks voll auskosten. Kollektiv geht es in diesen Wochen darum, das Leben unbeschwert zu feiern. Doch genau in dieser Energie des puren Vergnügens liegt eine Stolperfalle. Die Grenze zwischen gesunder Selbstentfaltung und rücksichtslosem Egoismus wird hauchdünn.
Die Karten zeigen uns an einem sehr konkreten, intensiven Beispiel, wie diese Energie im Extremfall aussehen kann und wie der vermeintliche Himmel auf Erden plötzlich Risse bekommt…
Wenn wir uns die Karten ansehen, springt uns zuerst dieses absolute Kinogefühl ins Auge. Ein verliebtes Paar küsst sich, erlebt den sprichwörtlichen Himmel auf Erden. Es funkt so gewaltig, dass man das Gefühl hat, die zwei sind einfach füreinander geschaffen. Es hinterlässt den Eindruck des perfekten Glücks.
Doch hinter dieser Kulisse brodelt es. Die Karten zeigen, dass hier eine neue Dynamik im Rahmen einer Reise, eines Ausflugs oder einer Unternehmung begonnen hat und das, obwohl man eigentlich gebunden und nicht frei ist. Jemand hat sich diese Auszeit genommen, um ungestört seinen eigenen Genuss auszuleben.
Die Aneinanderreihung der Kelchkarten vom Pagen der Kelche über die 2 der Kelche bis hin zur 10 der Kelche lässt sich dabei auf zwei sehr unterschiedliche Weisen deuten. Der Page der Kelche steht für Nachrichten. Er blickt fasziniert in seinen Kelch, während die Blume in seiner Hand unbemerkt die Blätter verliert, womit die alte Welt bereits bröckelt. In dieser Leseart werden die 10 der Kelche, also die Familie, als Kulisse genutzt. Jemand schiebt einen vermeintlichen Familienausflug als perfektes Alibi vor, um im Hintergrund ungestört den Rausch der 2 der Kelche mit einer neuen Person zu leben.
Es kann aber auch bedeuten, dass hier zwei Welten unvereinbar aufeinanderprallen. Auf der einen Seite steht die Sehnsucht nach dem Neubeginn und dem Prickeln der neuen, noch unerforschten Haut, auf der anderen Seite die tiefe Sehnsucht nach Ankommen, Familie und heiler Welt. Jemand sucht auf einer Reise nach diesem vollkommenen Glück, merkt aber auf dem Rückweg, dass man die innere Zerrissenheit nicht einfach wegpacken kann.
Egal welche Variante zutrifft, die Realität lässt sich nicht dauerhaft ausblenden. Die Reise war von Anfang an kein unbeschwerter Ausflug, auch wenn sie so geplant war. Schaut man sich die 6 der Schwerter an, sieht man eine Person in einem Boot, die mitten durch einen emotionalen Albtraum fährt. Sie ist umringt von Dämonen und schattenhaften Fratzen, die an ihr zerren. Das ist das schlechte Gewissen, das mangelnde Vertrauen, die Angst vor dem Auffliegen und der psychische Druck, der die ganze Zeit wie eine dunkle Wolke mitgereist ist. Man kann den Problemen nicht davon rudern, denn die eigenen Dämonen sitzen mit im Gepäck. Und dieses Boot steuert nach dem Ausflug geradewegs auf den großen Knall zu.
Das Boot crasht ungebremst in den Ritter der Schwerter. Da sitzen die Beteiligten am Tisch und die Stimmung ist absolut explosiv. Eine Person hält sich verzweifelt den Kopf, während die andere voller Wut schreit. Das Schwert liegt blank auf dem Tisch. Die brennende Kerze, wie auch das Buch und der Sarg der Lenormandkarten zeigen, dass das schockierende Geheimnis gnadenlos auf dem Tisch liegt. Es gibt kein Zurück mehr. Diese heftige Auseinandersetzung kann ganz real zum Bruch führen, wie es hier der Sarg und die Ruten andeuten.
Warum es gerade jetzt knallt…
Das Spannende ist, dass uns diese Karten nicht nur ein Beziehungsdrama zeigen. Sie spiegeln genau das wider, was zeitgleich über unseren Köpfen am astrologischen Himmel passiert. Mitte August zeigt sich ein intensives kosmisches Ereignis. Den Startschuss für diese Phase setzt am 12. August eine totale Sonnenfinsternis im Löwen. Der Löwe steht in der Astrologie für das fünfte Haus, also die pure Lebensenergie, die sich durch Spaß, Freude, Selbstausdruck, aber eben auch durch Flirts, Romantik und Affären zeigt. Interessanterweise finden wir diesen Löwen sogar direkt im Kartenbild wieder. Der Mann auf der Karte der 2 der Kelche trägt eine Armrüstung, auf der ein großer Löwenkopf prangt.
Doch eine Sonnenfinsternis verdunkelt das Licht und bringt unweigerlich die Schattenseiten dieser Energie zum Vorschein. Beim Löwen zeigen sich diese Schatten im egoistischen Ausleben der eigenen Wünsche, im rücksichtslosen Rausch des Moments und in der Sucht nach Bestätigung durch Sex, ohne an die Konsequenzen für andere zu denken.
Die Energie wirft durch diese Geschichte plötzlich bohrende Fragen auf, denen man nach dem Genuss nicht mehr entkommen kann.
Wie weit willst du gehen, um deine Sehnsüchte zu stillen? Wer bist du, wenn die Schmetterlinge oder die Verlustängste das Steuer übernehmen? Wie willst du eigentlich leben und lieben und wer willst du sein, wenn der Vorhang fällt? Bist du mutig genug, dir selbst ungeschminkt in die Augen zu schauen und erkennst du deine eigenen Sehnsüchte, aber auch deine eigenen Abgründe?
In den nächsten Wochen und Monaten wird alles, was im Verborgenen liegt, vom Universum unaufhaltsam an die Oberfläche gezerrt. Wenn das passiert, scheppert es im Außen gewaltig. Aber dieser Schock ist am Ende ein Weckruf. Er zwingt uns, der nackten Realität ins Auge zu blicken und zu klären, was uns im Innersten wirklich ausmacht.
Wir Menschen sind leider oft bequeme Wesen. Wir neigen dazu, in toxischen Kreisläufen oder im Gewohnten auszuharren, selbst wenn wir darin unglücklich sind oder das Vertrauen längst verloren haben. Wahre innere Arbeit und das ehrliche Hinsehen beginnen bei den meisten von uns erst dann, wenn ein massives Ereignis im Außen uns den Boden unter den Füßen wegzieht und uns einfach keine andere Wahl mehr lässt.
Wenn wir uns in solchen emotionalen Wiederholungsschleifen wiederfinden, fühlt es sich oft an wie das Boot auf den 6 der Schwertern, gefangen zwischen alten Dämonen und der Angst vor dem Unbekannten. Der erste Schritt zur echten Befreiung liegt darin, den Blick weg von den Taten des anderen und ganz radikal hin zu sich selbst zu lenken. Es geht darum, die eigenen Grenzen so klar zu ziehen, dass kein Alibi der Welt sie mehr ins Wanken bringen kann. Wenn der Schock im Außen den alten Boden wegreißt, entsteht genau dadurch der Platz, um ein neues, stabiles Fundament aufzubauen, das auf eigener Würde und echtem Selbstwertgefühl basiert.
Verwendete Karten:
Weird World Lenormand, Mykola Taradaiko und Bohdan Herasymenko, Pentagram Publishin
Gregory Scott Tarot, Gregory Scott und Davide Corsi, Lo Scarabeo