Heute erzählen uns die Karten etwas von einem König der Stäbe. Vielleicht einem Feuerzeichen, Widder, Löwe, Schütze oder jemanden mit viel Feuerbetonung in seinem Chart. Er ist voller Leidenschaft, Optimismus und hat immer viele neue und verrückte Ideen. Er ist der Typ, der einfach einen Raum betritt und die Stimmung sofort aufhellt, als würde er Farbe in einen grauen Tag bringen. Mit seinem Charme und seinem Humor belebt er selbst die langweiligsten Momente. Er liebt es, Menschen zum Lachen zu bringen und in jeder Gemeinschaft genießt er es, der Funke zu sein, der andere mit seiner Begeisterung ansteckt. Er ist ein Künstler, mit dem man Pferde stehlen kann. Sympathisch, beliebt und immer in Action.
Doch hinter diesem lebendigen Ausdruck gibt es eine Seite, die er vor anderen und oft auch vor sich selbst verborgen hält. Sein Verstand arbeitet präzise, und sein Weltbild ist aus harten Fakten gemauert. Alles „Übersinnliche“ hat er bisher als Schwäche abgetan, als einen Fluchtweg für jene, die mit der harten Realität nicht klarkommen. Er verurteilt diese unsichtbaren Welten nicht nur; er belächelt sie mit einer fast schon kühlen Arroganz, die sein tiefes Bedürfnis nach Kontrolle schützen soll. Er glaubt fest daran, dass nur das real ist, was er mit seinen Händen formen, sehen oder mit seiner Logik erklären kann.
Aber immer wieder gibt es kleine Risse in diesem Weltbild. Eine plötzliche Eingebung, die nicht aus der Technik kommt; ein seltsamer Zufall, der zu perfekt scheint, um eigentlich nur ein Zufall zu sein. Er ignoriert diese Momente konsequent, ärgert sich über diesen Nonsens und flüchtet sich in noch akribischere Arbeit an seinem neusten Projekt.
Nach außen hin verkörpert er für jeden die reine Lebensfreude. Man sieht in ihm den Mann, der scheinbar mühelos immer auf der Sonnenseite steht. Doch diese Leichtigkeit ist nur ein Teil der Wahrheit. Sie fungiert unbewusst wie ein Schutzschild für eine verletzliche Seite, die er seit Jahren als Schwäche wegschließt. In seiner Welt darf ein starker Mann keine Weichheit zeigen. Genau deshalb gibt es in ihm diese seltsame, schwere Beklemmung. Eine schleichende Verhärtung seines Herzens, die er sich selbst nie erklären konnte. Es ist ein dumpfer Druck, den er mit Humor und Tatendrang zu überspielen versucht, der ihn aber in den stillen Momenten immer wieder einholt.
Heute Abend zieht es ihn wieder an den Laptop. Es ist kein impulsiver Entschluss, sondern ein heimliches Ritual der letzten Abende. Während die Welt draußen starr und kalt ist, hat er zuvor schon heimlich in Foren gelesen, in denen es um Tarot, Astrologie und Mystik geht. Sein Verstand wehrt sich mit jeder Zeile, und doch zwingt ihn etwas dazu, diese Welten genauer unter die Lupe zu nehmen. Er liest Begriffe wie Karma, Pluto, Saturn und das Ende eines Zyklus. Er versteht nicht viel davon, aber eine unerklärliche Neugierde ist geweckt.
Schließlich gibt er bei Astro.com seine Geburtsdaten ein. Er klickt sich durch die Planetenkonstellationen seines Horoskops, halb fasziniert, halb ungläubig. Am Seitenrand entdeckt er dann den Begriff: Sabische Symbole. „Was soll das schon wieder sein?“, denkt er genervt, doch er klickt trotzdem. Er liest das Symbol für den heutigen Stand der Sonne in 3 Grad Fische: Der versteinerte Wald
Die Beschreibung fesselt ihn sofort. Dort steht, dass ein versteinerter Wald einst voller Leben, Wachstum und organischer Kraft war, bevor er über endlose Zeiträume zu Stein wurde. Er erfährt, dass dieses Symbol für alte Muster, Erinnerungen, Prägungen und Wunden aus der Vergangenheit steht, die noch immer tief in die Gegenwart hineinwirken, weil sie in der eigenen Geschichte gespeichert wurden. Die Zeilen beschreiben einen Zustand, in dem lebendige Energie zu Starrheit geworden ist. Ein Festhalten an überholten Überzeugungen und eine emotionale Verhärtung aus Angst vor Veränderung. Es ist die Rede von einer Reifung durch Erfahrung, aber auch von der Gefahr des Stillstands. Und dann trifft ihn die abschließende Frage wie ein Echo aus seinem eigenen Inneren:
„Was in dir ist noch lebendig und was ist bereits versteinert?“
Er hält inne. Das Atmen fällt ihm schwer. Das Verstehen dessen, was dort schwarz auf weiß steht, und die vollkommene Übereinstimmung mit dem, was er tief in sich fühlt, wird für ihn zu einem magischen Moment. Es ist, als würde er zum ersten Mal ein Porträt von sich selbst sehen, das nicht nur die Oberfläche zeigt.
In diesem Augenblick, im kühlen Licht des Bildschirms, öffnet sich der Spalt eines Portals zu einer ganz neuen Weltanschauung. Die Tür zur Mystik ist nicht aufgestoßen worden. Sie ist einfach leise aus dem Schloss gefallen. Er beginnt zu ahnen, dass es tatsächlich eine Wahrheit hinter dieser materiellen Realität geben könnte, die sich mit dem Verstand nicht erklären lässt und sein Weltbild um 180 Grad verändern könnte. Das ist für ihn sehr befremdlich und doch irgendwie magisch zugleich.
Was macht er jetzt damit? Ich glaube, er behält es erst einmal für sich, weil er befürchtet, dass all seine Freunde ihn für verrückt erklären werden.
Verwendete Karten:
Gilded Reverie Lenormand, Ciro Marchetti, U.S. Games Systems, Inc.
Fairy Tarot Cards, Doreen Virtue und Radleigh Valentine, Hay House Inc.
Energy Oracle Cards, Sandra Anne Taylor, Hay House Inc.Chart