Irgendwie…
Irgendwie…

Irgendwie…

17.8.

Stell dir vor, du baust einen Tempel. Stein für Stein wächst er langsam, mit Bedacht, mit Liebe zum Detail.

Jeder Winkel wird vermessen, jede Mauer ausgerichtet, jedes Ornament mit Hingabe gemeißelt.
Du weißt, was du hier erschaffst, soll halten. Es soll vielleicht noch in hundert Jahren stehen und bewundert werden, ein Ort der Stille, der Schönheit, der Kraft, der Wahrheit.

Doch was passiert, wenn du schon zu Beginn nachlässig wirst?
Wenn ein Fundament nicht richtig ausgerichtet ist?
Wenn du bei einem schwierigen Bogen denkst: „Ach, das passt schon irgendwie…“
Oder wenn du einen Riss ignorierst, weil du Angst hast, nochmal von vorn anfangen zu müssen?

Später, wenn das Gewölbe einstürzt, die Fenster schief sitzen, oder das Dach nicht mehr zu retten ist, lässt sich vieles davon nicht mehr restaurieren.

Und dann fragst du dich vielleicht: Warum habe ich das übersehen? Warum habe ich geschwiegen?

Stell dir vor, du baust etwas. Die Frage ist, baust du ein Luftschloss, eine Sandburg oder einen Tempel?

Ein Luftschloss schwebt in schönen Bildern, doch es trägt dich nicht.
Eine Sandburg ist hübsch, aber die nächste Welle reißt sie fort.
Ein Tempel aber steht. Er ist fest gegründet und wird auch dann noch da sein, wenn andere Bauwerke längst zerfallen sind.

Stell dir vor, du baust etwas. Die Frage ist, bist du dein eigener Bauherr, oder nur ein Statist in der Geschichte eines anderen Protagonisten? 

Was passiert, wenn du Kompromisse eingehst?

Du setzt Stein für Stein, sorgfältig oder hastig, bewusst oder unbewusst. Und jeder Stein trägt deine Handschrift.

Doch wenn du schon am Anfang nachgibst, wenn du schweigst, obwohl dein Herz schreit, wenn du dich verbiegst, obwohl du gerade stehen willst, dann baust du nicht mehr an deinem Tempel, sondern stellst dich in den Dienst eines Bauplans, der nicht deiner ist.

Man wird dir sagen:

Du bist zu empfindlich. Stell dich nicht so an. Du bist zu viel. Du bist zu wenig. Die anderen machen das doch auch so.  Andere haben doch auch kein Problem damit.

Und wenn du diesen Stimmen mehr vertraust als dir selbst, stehst du irgendwann in einem Gebäude, das zwar fertig aussieht, aber sich nicht nach dir anfühlt.

Oft werden die Dinge, die uns am meisten bedeuten, von außen als übertrieben, unrealistisch oder als nicht so schlimm abgetan. Doch sobald du beginnst, das ebenfalls zu glauben, also deine eigenen Gefühle oder Werte kleinzureden, entsteht innerlich ein Riss. Dieser Riss kann mit der Zeit größer werden und führt zu Frust, Verwirrung, und Unsicherheit.

Es muss gar nichts Großes sein, manchmal sind es kleine Entscheidungen oder Worte, bei denen du merkst: Das fühlt sich nicht richtig an. Und trotzdem sagst du nichts. Du gibst nach. Du passt dich an. Und jedes Mal entfernst du dich ein bisschen mehr von dem, was du eigentlich fühlst und brauchst.

Doch das, was dir wichtig ist, hat Bedeutung, auch wenn andere es nicht verstehen. Wenn du es nicht ernst nimmst, wird es niemand tun. 

Alles, was dein Herz betrübt und deine Lebendigkeit erstickt, solltest du in Frage stellen.
Denn ein irgendwo, irgendwie, ist hier fehl am Platz, weil es dich nie wirklich erfüllt.
Es macht dich kleiner, unsicherer und lässt dich in Räumen wohnen, die nicht dir gehören.

Bleibst du dir nicht treu, baust du am Ende keinen Tempel,  sondern ein Kartenhaus, eins, das über dir zusammenfällt,
während du dachtest, du hättest etwas Beständiges erschaffen.

Wenn du aber deinen Tempel baust, dann wird er dich tragen, Tag für Tag, Jahr für Jahr.
Er wird dir Halt geben, wenn es im Außen stürmt.
Und dann wird er vielleicht auch andere dazu ermutigen, sich ebenfalls einen eigenen zu errichten.
Oder du wirst Menschen anziehen, die dich nicht verändern wollen,
sondern die sich freuen, bei dir zu Gast zu sein.
Nicht, um dich zu formen, sondern weil du bist, wie du bist.



Verwendete Karten:

Sacred Rebels Oracle: Guidance for Living a Unique & Authentic Life, Alana Fairchild, Blue Angel Publishing

The Akashic Tarot, Sharon Anne Klingler & Sandra Anne Taylor, Hay House

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