Malika Caló
Malika Caló

Malika Caló

only when its dark enough..
22.03.2026

Es war einmal ein junger Zauberlehrling, der in der geheimen Zunft der alten Meister lernte. Er war fleißig und ehrgeizig, beseelt von dem Wunsch, die höchste Kunst der Magie zu beherrschen. Die alten Meister, ehrwürdig und streng, lehrten ihn nach einem uralten Rezept. Sie zeigten ihm, wie man Herz, Verstand, Zeit, Geld und Leidenschaft zu einer Essenz mischt, die ein Leben in vollkommener Fülle verspricht. Sie malten ihm das Bild einer fernen, goldenen Stadt aus, in der er in Wohlstand leben, ein prachtvolles Haus besitzen und eine feste Partnerschaft als Krönung seines Erfolgs führen würde.

Der Lehrling folgte ihren Anweisungen blind. Er bemerkte nicht, wie die Meister ihn mit ihren Erzählungen leise manipulierten. Ihr Bild vom „perfekten Glück“ legte sich wie ein feines, goldenes Netz über seinen Geist. Er hielt ihre Vorstellung von Sicherheit, eine Verbindung einzugehen, um niemals allein zu sein, für sein eigenes höchstes Ziel. Er baute sein Leben Stein für Stein nach ihrem Plan auf, sicherte sich Besitz und Ansehen und fand schließlich die Frau, die genau in das vorgegebene Zauberwerk passte. Nach außen hin fehlte es ihm an nichts.

Doch tief in seinem Inneren begann es zu gären. Er spürte eine Last, die er sich nicht erklären konnte, und einen Druck auf dem Herzen, an dem er schier zu verzweifeln schien. Es war das Wissen, dass er ein Leben führte, das sich wie ein maßgeschneiderter Anzug anfühlte, der jedoch die Seele einschnürte. Er hatte all seine Energie in ein Vorhaben gesteckt, das zwar stabil aussah, ihm aber die Luft zum Atmen nahm.

Dann begegnete er Malika Caló.

Sie kam aus einem fernen Land, ihr Name klang nach Freiheit und weiten Ebenen. Malika besaß eine Wildheit, die ihn gleichzeitig erschreckte und anzog. Sie besaß nichts von dem, was die Meister als erstrebenswert lehrten, und war dennoch wunderbar verrückt und voller Leben. In ihrer Unberechenbarkeit war sie der Spiegel für alles, was er in sich selbst unterdrückt hatte.

In einer stürmischen Nacht gestand er ihr seine Sehnsucht. In seiner Not wollte er sie halten und suchte verzweifelt nach einem Platz für sie in seinem geordneten Leben, doch er erkannte schmerzlich, dass seine Welt bereits vollgestellt war mit den Kulissen, die er für andere errichtet hatte. Es gab keinen Raum für die Freiheit, die Malika verkörperte, ohne das alte Gebäude einzureißen. Malika blickte ihn sanft an und sagte: ‚Du versuchst, das Licht der Sterne in einer Laterne einzusperren. Du suchst eine Verbindung, um der Einsamkeit in deiner Sicherheit zu entfliehen, aber du hast vergessen, wer du selbst bist.‘“

Am nächsten Morgen reiste sie ab. Zum Abschied schrieb sie mit ihrem knallroten Lippenstift eine Nachricht auf den Spiegel im Badezimmer: Ich kann nicht länger bleiben, aber ich hinterlasse dir eine Erinnerung in deinem Herzen.“

Als Malika weiterzog, wirkte die Wahrheit wie ein Blitzschlag. Sein mühsam aufgebautes Leben, die gesellschaftliche Rolle und die vermeintliche Sicherheit stürzten in einem gewaltigen, inneren Donnern in sich zusammen. Es war, als ob die Mauern seines Geistes explodierten. Er erkannte die Manipulation, der er so lange erlegen war: Er hatte seine Kraft genutzt, um die Träume anderer zu bauen, während sein eigenes Herz verhungerte. Es war der Ruf nach Freiheit, der jetzt so laut in ihm ertönte, dass es ihm nicht weiter gelang, ihn zu überhören.

Es tat weh, doch inmitten der Trümmer fand er eine neue Erkenntnis. Er brauchte keine Rezepte der alten Meister mehr. Er nahm seinen Wanderstab und ließ die schweren Schlüssel seines Hauses und die Erwartungen der anderen hinter sich. Er wusste nun, dass seine Bestimmung nicht im bloßen Besitzen von Dingen oder Menschen lag, sondern darin, seinem eigenen Stern zu folgen. Er verließ die Stadt im Morgengrauen. Er war nun ein freier Mann, der seinen eigenen Weg suchte; bereit für eine Zukunft, die auf der Wahrhaftigkeit seines eigenen Herzens gebaut war; jene Zutat, die im Rezept der alten Magier gefehlt hatte.

Was der Zauberlehrling jedoch nie erfahren sollte, war das bittere Geheimnis, das Malika Caló in ihrem eigenen Herzen mit sich trug. In jener Nacht waren sich zwei Zauberlehrlinge begegnet, die sich ohne es zu bemerken gegenseitig verzaubert hatten. Während sie ihm den Weg in die Freiheit wies, sehnte sie sich in einsamen Nächten oft genau nach dem, was er wegen ihr hinter sich gelassen hatte. Nach der Geborgenheit eines Hauses, nach Wurzeln und nach der Beständigkeit einer Liebe, die nicht mit dem nächsten Morgen verweht.

Doch auch sie konnte diesen Wunsch damals nicht leben, denn ihre eigene Vision war für den Horizont bestimmt. Aber die Begegnung hatte auch in Malika Caló einen tiefen Zauber gewebt. Durch ihn begriff sie über die Jahre, dass wahre Freiheit nicht darin bestand, vor der Geborgenheit zu fliehen, sondern die Stärke zu besitzen, eines Tages selbst zur Schöpferin eines Hafens zu werden, der keine Mauern kannte.

Er war für sie der Spiegel ihrer eigenen, unterdrückten Sehnsucht nach Beständigkeit gewesen, und so begann auch für sie in jener Nacht eine stille Wandlung, die sie eines Tages an einen Ort führen würde, den sie endlich ihr Zuhause nennen konnte. So blieben sie beide Lehrlinge auf dem Weg zu ihrer jeweiligen Wahrheit. Er auf dem Weg in die Weite, und sie auf dem Weg zu einem Zuhause, das sie nun endlich aus eigener Kraft und wahrhaftigem Herzen erschaffen konnte.



Verwendete Karten:

Tarot Illuminati, Erik C. Dunne und Kim Huggens, Lo Scarabeo
Gilded Reverie Lenormand, Ciro Marchetti, U.S. Games Systems

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