Bestimmt hast du auch schon mal solche Zeilen gelesen, vielleicht in einer Anzeige, einem Dating-Profil oder als seltsame Spam-Nachricht im Postfach, wie ich sie heute bekam:
„..Ich suche meine bessere Hälfte. Einen Menschen, in dessen Armen ich mich endlich geliebt fühle. Jemanden, ohne den ich nicht atmen kann…“
Es klingt im ersten Moment so herrlich romantisch. Doch beim Satz „ohne den ich nicht atmen kann“ zieht sich unsichtbar die Kehle zu. Hier wandelt sich die Sehnsucht unbemerkt in eine gefährliche Abhängigkeit. Das eigene Überleben und das gesamte Lebensglück werden an eine andere Person gekoppelt. Egal, ob es sich um die obsessive Fixierung auf die Ex-Partnerschaft und ein Fest der Versöhnung handelt, oder generell um den tiefen Glauben, als Single unvollständig zu sein. Wer so verzweifelt sucht und jemanden so unendlich braucht, erreicht meistens genau das Gegenteil. Man will die Liebe erzwingen und treibt sie damit nur noch weiter weg.
Die Bildersprache der Karten zeigt uns genau diese bedürftige Haltung. Man sehnt sich nach dem puren Glück, der puren Lebensfreude (Sonne), und zieht stattdessen unbewusst nur schweres Leid und eine karmische Last (Kreuz) an. Es ist wie ein unsichtbarer Funkspruch, den man in die Öffentlichkeit (Park) hinausjagt. Man wünscht sich so sehr eine sichere, feste Bindung (Anker) und einen absolut treuen, loyalen Partner (Hund). Doch weil dieser Wunsch aus puren Mangel entsteht, bewirkt die Resonanz genau das Gegenteil. Die ersehnte Stabilität rutscht ab ins Drama
Alles beginnt mit einer tiefen Wunde. Wir sehen eine Person, die isoliert in einem steinernen Rückzugsort, abgeschnitten von der lebendigen Welt da draußen, kniet. Es wirkt wie eine selbstgebaute Festung gegen den Schmerz. Die Hände liegen verzweifelt auf dem Herzen, der Blick ist nach unten gesenkt. Durch das Fenster sehen wir das Drama. Jemand geht draußen einfach weg. Zurück bleibt der Liebeskummer, die Einsamkeit und das Gefühl, verlassen zu sein.
Doch anstatt diesen dicken Brocken des Schmerzes wirklich anzunehmen, ihn zu durchfühlen und Schritt für Schritt zu verarbeiten, setzt die Flucht ein. Die Trennung oder das Alleinsein werden nicht akzeptiert. Bloß nicht den harten Boden der Realität spüren. Also folgt das emotionale Abheben.
Auf der Karte des Magiers wird die Erdung komplett gekappt. Man begibt sich in schwindelerregende Höhen und schwebt im Schneidersitz weit über der Erde in den Wolken. Es ist eine Flucht nach oben, eine mentale Betäubung, in der man sich in die perfekte Traumwelt hineinträumt.
Und genau aus diesem haltlosen Schweben heraus passiert etwas Absurdes. Wir sehen, wie sich zwei Hände krampfhaft in einen Holztisch krallen. Man schwebt in der Luft, versucht aber gleichzeitig verbissen, die Fäden am Boden zu kontrollieren Man weigert sich loszulassen. Der Blick ist starr fixiert auf das absolute Wunschbild. Ein glückliches Paar, umrahmt von festlichen, blumengeschmückten Säulen. Das romantische Happy End. Das perfekte Beziehungsglück, das jetzt sofort her muss.
Man krallt sich an die Vorstellung, dass nur (diese) eine Partnerschaft Rettung bringt. Doch wer so hoch in den Wolken schwebt und sich gleichzeitig so starr an eine Wunschvorstellung klammert, baut sein Leben auf Luft. Wer keinen echten Halt in sich selbst hat, stürzt irgendwann unweigerlich tief ab und das tut weh.
Hier greift das Gesetz der Resonanz, das wie ein energetischer Bumerang wirkt. Alles, was wir unbedingt und mit aller Macht erzwingen wollen, entzieht sich uns.
Wenn wir aus einem Gefühl des Mangels heraus agieren; aus der Panik, allein nicht liebenswert oder wertvoll zu sein, senden wir energetisch mit dieser inneren Haltung unbewusst genau jene bedürftige „Spam-Anzeige“ heraus. Wir signalisieren dem Universum: „Ich bin leer, ohne ein oder das bestimmte Gegenüber kann ich nicht glücklich sein.“ Diese Schwingung zieht niemals eine gesunde, freie Liebe auf Augenhöhe an. Sie stößt das Gegenüber ab oder zieht, wie die reale Spam-Anzeige im Postfach beweist, Menschen an, die diese offene Wunde scannen. Sie verkaufen uns eine gefälschte Sehnsucht als Köder, um aus diesem Schmerz zu profitieren.
Erst wenn wir den Mut haben, die Hände vom Tisch zu nehmen, die Füße wieder auf die Erde zu stellen und das Alleinsein auszuhalten, bestenfalls genießen zu lernen, verändert sich die Resonanz. Wir dürfen lernen, uns zunächst selbst der beste Freund zu sein.
Denn erst wenn wir uns selbst genug sind, haben wir auch wieder den Platz, um jemanden wirklich frei und ohne Angst zu lieben.
Oder?
Verwendete Karten:
Gregory Scott Tarot, Gregory Scott & Davide Corsi, Lo Scarabeo
Gilded Reverie Lenormand, Ciro Marchetti, Königsfurt-Urania / U.S. Games Systems