Entropie
Entropie

Entropie

31.1.2024

Es war einmal ein Mensch, der einen roten Kapuzenmantel trug und dessen Gesicht von der Kapuze verborgen blieb. An einem düsteren Abend stand er allein inmitten eines dichten Waldes. Der schmale Pfad, auf dem er sich befand, führte zu einer Weggabelung, an der der Weg sein Ende fand.

Der Mensch in dem roten Kapuzenmantel war ratlos. Er wusste nicht, welchen Weg er einschlagen sollte. Die beiden Wege vor ihm schienen identisch zu sein und er konnte keine Anhaltspunkte erkennen, die ihm bei seiner Entscheidung helfen könnten. Logik half ihm hier auch nicht weiter, denn an dieser Stelle war er noch nie zuvor in seinem Leben. Sein Kopf war erfüllt von Unklarheit und Verwirrung, während sein Herz vor Angst und Stress heftig schlug.

In einem Versuch, eine Lösung zu finden, erinnerte er sich an die Weisen, die von Entropie sprachen. Entropie war das Phänomen, bei dem ein System in einen Zustand der maximalen Unordnung und Unklarheit übergeht. Der Mensch in dem roten Mantel erkannte, dass er sich in genau diesem Zustand befand – zwischen den beiden Wegen hin- und hergerissen, ohne eine klare Richtung vor Augen. Es war ihm nicht möglich, eine Entscheidung zu treffen, weil ihm die Sicherheit der Gewissheit fehlte, wohin beide Wege ihn führen mögen. Ungewissheit bedeutete für ihn den Verlust der Kontrolle und sein Traumagedächtnis aus frühen Kindheitserinnerungen, meldete sich mit drohender Lebensgefahr. Was sollte er nun tun. Sein innerer Kompass drehte durch und die Nadel zeigte nur noch Error. 

Doch dann erinnerte er sich an etwas, das ihn möglicherweise retten könnte. Aus seiner Kindheit kannte er eine Geschichte von einem alten Eichenbaum tief im Wald. Die Legende besagte, dass dieser Baum die Weisheit aller vergangenen Generationen in sich trug und denjenigen, die ihn fanden, den richtigen Weg zeigen konnte.

Entschlossen begann der Mensch in dem roten Mantel, durch den Wald zu streifen. Er folgte seinem Instinkt und seinem Gedächtnis, um den verborgenen Ort aufzuspüren. Nach Stunden des Suchens erreichte er schließlich die Lichtung, auf der der Eichenbaum majestätisch stand.

Der Mensch in dem roten Mantel kniete nieder, berührte die runzelige Rinde des Baumes und sprach leise seine Bitte aus. Tränen liefen seine Wange herunter und all die Gefühle, von Traurigkeit, Ärger, Wut und Angst, die er bislang unterdrückt hatte, kamen nun an die Oberfläche. Anstatt weiter gegen sie anzukämpfen umarmte er sie und in dem Moment, in dem sie ihren Raum bekamen, klangen sie auch schon wieder ab.

Plötzlich wurde ihm bewusst, dass es nicht die Weisheit der vergangenen Generationen war, die ihm den richtigen Weg zeigen konnte, sondern seine eigene innere Kraft und Intuition. 

Mit einem Gefühl der Ruhe und Gewissheit stand der Mensch in dem roten Mantel auf. Obwohl er das Gesicht seiner Entscheidungsmöglichkeit nicht kannte, fühlte er sich von einer unsichtbaren, aber starken Erkenntnis geführt. Er wusste nun, dass es keine richtige oder falsche Wahl gab. Es war allein seine Entscheidung, die den Weg formen würde.

Der Mensch in dem roten Mantel kehrte zur Weggabelung zurück und wählte eine der Richtungen. Während er sich weiter voranbewegte, spürte er, wie sich die Verwirrung und Angst in ihm verflüchtigten und einer tiefen inneren Zufriedenheit Platz machten. Er hatte gelernt, dass Entscheidungen ein Teil des Lebens waren und dass er derjenige war, der sie formte, nicht umgekehrt.

Und so ging er weiter, seinen Weg im roten Mantel beschreitend, wissend, dass er jederzeit bereit war, eine neue Entscheidung zu treffen und sich den Herausforderungen des Lebens mutig zu stellen.

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