Die Geschichte eines Mannes, der zu spät verstand
Er hatte sie gesehen und gewusst: Sie war anders.
Nicht „schön“ im glatten Sinn, sondern schön wie Wind im Haar, wie Lachen in einer stillen Straße, wie ein Gedanke, der bleibt, obwohl er sich nicht erklären lässt.
Sie war wie eine Melodie, die man nicht aufschreiben kann. Und genau deshalb, wollte er ihr etwas schenk
Er war ein Mann mit Plänen, mit Entwürfen, mit Gold in der Fantasie und Marmor in der Vision.
Er dachte: Wenn sie mich wirklich sieht, dann soll sie sehen, was ich für sie tun kann.
Und also begann er zu entwerfen:
Ein Haus mit goldenen Fensterrahmen.
Ein Schlafzimmer mit Whirlpool unter einem Glasdach.
Eine Terrasse, die nach Sonnenuntergang duftete.
Ein Musikzimmer, auch wenn sie keine Musik machte.
Ein Spiegelzimmer, in dem sie sich immer als schön sehen sollte.
Er dachte an Stuck, an exotisches Holz, an einen Garten, der sich selbst bewässerte.
Er plante einen Kronleuchter in der Küche.
Er wollte ihre Welt glänzen lassen.
Als er es ihr erzählte voller Stolz, mit funkelnden Augen, lächelte sie.
Ein weiches, warmes, aber sehr stilles Lächeln.
Und dann sagte sie, ganz einfach:
„Das klingt wunderschön. Aber weißt du… ich hätte viel lieber ein Baumhaus.“
Er lachte, zuerst.
Dachte, sie mache Spaß.
Doch sie lachte nicht zurück.
Sie sah ihn nur an ganz ruhig, ganz da und sagte:
„Ein Baumhaus, weißt du?
Eins, das wackelt, wenn wir lachen.
Eins, wo man nachts Sterne zählen kann.
Wo das Holz noch nach Wald riecht.
Und wo man nasse Kleider zum Trocknen raushängt,
weil man vorher im Fluss war mit Kleidern und allem an.“
„Ich will Drachen steigen lassen mit dir.
Ich will, dass du meine Hand hältst, wenn sie schmutzig ist.
Ich will kein Licht aus Kristall, ich will dein echtes Lachen im Dunklen.
Er schwieg.
Denn sein Plan war aus Stein.
Und ihr Traum war aus Wind.
Und plötzlich wusste er:
Er hatte gebaut, um zu beeindrucken.
Aber sie wollte erleben, nicht bewundert werden.
Er hatte sich vorgestellt, wie sie durch Flure schreitet.
Aber sie wollte rennen. Barfuß. Auf Waldboden.
Und vielleicht mal stolpern. Und lachen, statt perfekt zu sein.
Er sah sie gehen
nicht aus Wut, nicht aus Trotz,
sondern mit der leichten Traurigkeit einer,
die sich gesehnt hatte
nach einem echten Moment,
nicht nach einem Denkmal.
Und er blieb zurück.
Mit Plänen, die nie gebaut wurden.
Mit Fliesen, die nie verlegt wurden.
Mit einem Haus, das nie gelebt
Aber manchmal, an windigen Tagen,
denkt er an das Baumhaus.
Und er fragt sich:
Was wäre gewesen,
wenn er statt zu planen und zu bauen
einfach nur mit ihr ins kalte Wasser gesprungen wäre?
Verwendete Karten:
The wheel of the Ye