Dieser Brief kommt nicht nur aus der Gegenwart.
Er entspringt einer langen weiblichen Geschichte, die nun weitergeschrieben wird, bewusst und sichtbar.
Ein Brief, der lange ungeschrieben blieb.
Nicht aus Vergessenheit. Sondern vielleicht, weil Worte dafür fehlten.
Oder weil viele von euch nie darum gebeten haben. Doch jetzt ist die Zeit, ihn auszusprechen.
Für euch Frauen, überall auf dieser Welt.
Eine Erinnerung.
Denn ihr seid viele.
Und ihr geht oft leise. Ihr fragt nicht nach Anerkennung und verdient sie gerade deshalb.
Ihr habt gelernt, euch selbst zu halten.
Nicht, weil es einfach war, sondern weil es niemand sonst für euch getan hätte.
Oft ist um euch alles zusammengebrochen.
Ihr standet mitten in den Trümmern eures Lebens nach Verlusten, Umbrüchen, Enttäuschungen.
Und ihr seid nicht zerflossen im Kummer. Man hat euch nicht brechen können.
Ihr seid euch treu geblieben. Ihr seid durchgegangen.
Ihr habt euch nicht in die Ecke gedrängt, sondern habt weitergemacht.
Ihr habt angepackt.
Wie die Frauen nach dem Krieg nicht aus heldenhaftem Trotz,
sondern weil es niemand anderen gab, der es getan hätte.
Ihr habt nicht gefragt, ob ihr könnt oder dürft.
Ihr habt getan, was getan werden musste.
Mit beiden Füßen auf dem Boden. Mit beiden Händen im Leben.
Dabei habt ihr euch nicht geschont.
Ihr habt euch eurem Schmerz gestellt, nicht weil ihr musstet, sondern weil ihr wisst:
Wer nicht hinschaut, verliert sich selbst.
Und genau dadurch ist etwas in euch gewachsen, das über euch hinausgeht.
Ihr seid dabei, etwas zu heilen, das älter ist als ihr selbst:
Die Abhängigkeit von männlicher Versorgung.
Ihr kehrt zurück zu eurer selbstbestimmten inneren Autorität.
Ihr lebt nicht gegen Männer, ihr lebt aus euch selbst heraus.
Ihr heilt das alte Muster, sich zu fügen, nicht aufzufallen, zu funktionieren
damit Frieden herrscht, um den Preis der Selbstentfremdung.
Ihr tragt nicht länger das Schweigen über Schmerz, Gewalt, Verlust.
Ihr nährt, aber ohne Selbstaufgabe, ohne Selbstaufopferung.
Ihr liebt aber nicht, um gebraucht zu werden.
Ihr seid nicht im Mangel. Ihr seid Fülle.
Ihr seid Quelle, Schöpferin und Zentrum eures eigenen Lebens.
Und mit jedem Schritt, den ihr geht, heilt ein Bild von Weiblichkeit,
das über Jahrhunderte verzerrt wurde.
Ihr lebt vielleicht kein lautes Leben. Aber ein echtes.
Eins, das trägt. Eins, das andere stärkt. Eins, das still leuchtet.
Und was daraus entsteht ist Freude.
Nicht als Belohnung. Sondern als natürliche Folge eurer Wahrhaftigkeit.
Ihr seid ein Licht, nicht weil ihr perfekt seid, sondern weil ihr echt seid.
Und genau das fehlt in einer Welt, die oft grau geworden ist.
Euer Licht wärmt. Eure Freude steckt an. Eure Klarheit macht Mut.
Ihr passt euch nicht mehr der Welt an. Ihr verändert sie. Leise. Mit jedem Schritt.
Mit jeder Entscheidung. Mit der Art, wie ihr euer Leben lebt.
Schön, dass es euch gibt.
In Gedanken an meine Mutter, meine Großmütter und Urgroßmütter.
Und an all die Frauen, die vor uns gingen
Verwendete Karten:
„La Vera Sibilla“ – Gypsy Oracle Cards, Lo Scarabeo
„Book of Shadows Tarot – Volume 2: So Below“, Autorin: Barbara Moore, Illustrationen: Simone Gabrielli, Verlag: Lo Scarabeo.